Einfach sprechen

Die Einfache Sprache ist eine vereinfachte Version der Standardsprache.

Im Europäischen Referenzrahmen entspricht sie etwa dem Sprachniveau A2 – B1.

Im Vergleich zur Leichten Sprache gibt es für die Einfache Sprache kein festes Regelwerk, sondern lediglich Empfehlungen, was Wortwahl, Satzstruktur und Grammatik angeht.

Wenn von Einfacher Sprache die Rede ist, ist meist die geschriebene Sprache gemeint. Texte in einfacher Sprache ermöglichen einem Großteil der Bevölkerung Zugang zu Informationen oder Literatur und sind damit auch ein Teil von Barrierefreiheit. Barrierefreiheit – auch im Hinblick auf Kommunikation – ist im Behindertengleichstellungsgesetz von 2002 fest verankert.

Die Zielgruppe für Leichte Sprache sind ursprünglich Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, bzw. funktionale Analphabeten. Darüber hinaus  gibt es eine große Anzahl von Menschen mit sehr schwacher Lese- und Schreibkompetenz (ca. 13 Millionen in Deutschland, 2010). Diesen Personenkreis spricht die Einfache Sprache an. Durch die Zuwanderung von vielen Geflüchteten hat sich die Zielgruppe für Einfache Sprache nochmal deutlich erweitert.

Verstehen und Verstanden werden

Für Nicht-Muttersprachler bzw. für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung kann schriftliche und mündliche Kommunikation in der Standardsprache eine große Herausforderung und auch Überforderung sein.

Nicht gelingende Kommunikation ist eine Quelle für Missverständnisse und Unsicherheit. Gerade, wenn wir uns Kommunikation in öffentlichen Einrichtungen, bei Behörden und Ärzten vorstellen, kann Nicht-Verstehen sehr konkrete und drastische Konsequenzen haben. Frustration auf beiden Seiten ist die Folge.

Das Gefühl von Zugehörigkeit – ein menschliches Grundbedürfnis – hängt mit Verstehen und Verstanden werden zusammen. Wenn dieses Bedürfnis erfüllt ist, ist ein Mensch viel eher zu Kooperation und Engagement bereit.

Kommunikation auf Augenhöhe

Wenn ein erwachsener Mensch mit einem Kind spricht und etwas Wichtiges zu sagen hat, geht er häufig intuitiv in die Hocke – um auf Augenhöhe mit dem Kind zu sein! Dieses Angebot kann nur „der oder die Große“ machen. Genauso verhält es sich, wenn es ein Gefälle in den Sprachkenntnissen gibt. Der sprachlich überlegene Mensch begibt sich verbal auf Augenhöhe – mit Hilfe der Einfachen Sprache. Auch komplexe Sachverhalte können einfach ausgedrückt werden.

Die Einfache Sprache ist wie das Puzzleteil, welches es braucht, um sich den vorhandenen Bedingungen bestmöglich anzupassen. Sie stellt eine Brücke dar, um Verstehen und Teilhabe zu ermöglichen.

Die gesprochene Einfache Sprache

Die gesprochene und die geschriebene Einfache Sprache haben natürlich einige Parallelen, was Wortwahl, Satzbau und Grammatik angeht. Während an schriftlichen Formulierungen jedoch im Vorfeld professionell gefeilt wird und diese auch an Zielgruppen erprobt werden können, ist die mündliche Kommunikation unmittelbar und spontan. Eine ausgiebige Vorbereitung entfällt. Dafür steht uns das reichhaltige Feld des non-verbalen und para-verbalen Ausdrucks zur Verfügung. Auch gibt es in der mündlichen Kommunikation die Möglichkeit der direkten Rückmeldung – eine große Chance!

Gesprochene Einfache Sprache braucht zwar theoretisches Hintergrundwissen, lebt aber von der Anwendung in der Praxis. Wir können jede Situation nutzen, das Einfache Sprechen zu üben und darin immer flüssiger und sicherer zu werden.